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Chinesische Schönheitsideale

<ein Gastartikel von Martina Bölck>

Das Aussehen spielt eine wichtige Rolle. Die Werbung ist voller junger Frauen, die sich um nichts anderes kümmern als um ihre Haare – Haare wie schwarze Seide – und um ihre Haut. Anders als in Deutschland haben es ältere Frauen noch kaum zu Werbezeit gebracht.

Ganz wichtig, nicht nur für junge Frauen ist eine möglichst weiße Haut – Haut wie Tofu. Im Supermarkt bietet jede Firma Cremes mit Bleichmitteln an. Schon beim ersten Sonnenstrahl halten Frauen sich Bücher und Papiere vors Gesicht oder spannen Sonnenschirme auf. Fürs Fahrradfahren gibt es eine Art Helm, dessen Visier man herunterklappen kann; andere bringen am Lenker eine Konstruktion an, um den Sonnenschirm zu befestigen. Einige tragen lange Handschuhe oder Umhänge, die um die Schultern gelegt und dann mit Schlaufen an den Fingern befestigt werden, so dass die Oberarme vor der Sonne geschützt sind. Ein Sonnenstudio oder gar Selbstbräunungscreme sind in diesem Kontext völlig absurd.

Weiße Haut als Schönheitsideal hat auch etwas mit sozialer Abgrenzung zu tun, ähnlich wie in Europa noch bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Daran ist sofort erkennbar, dass man nicht zu den Menschen gehört, die sonnenverbrannt sind, weil sie draußen arbeiten müssen. Irgendwann wird sich das ändern, wenn Bräune ein Zeichen dafür wird, dass man es sich leisten kann, in Urlaub zu fahren. Mir ist so, als seien die Sonnenschirme in den fünf Jahren, die wir in China sind, schon weniger geworden.

Auch über Schönheitsoperationen wird heiß diskutiert. Große, runde Augen mit doppelter Lidfalte und eine schmale hohe Nase sind begehrte Attribute, die wenige von Natur aus ihr eigen nennen. Es sind Schönheitsideale, die sich am Westen orientieren. Auch Schaufensterpuppen sehen westlich aus und Luxusmarken werben mit westlichen Models.
Da muss man als Chinesin wenigstens dünn und zierlich sein. »Ich will die Figur eines Kindes haben, ich darf nicht dick werden«, sagt die junge Schriftstellerin Chun Sue in einem Interview. Sie sieht darin einen Wettbewerbsvorteil im globalen Schönheits-Konkurrenzkampf:

Westliche Frauen sind größer und stärker, wir sind einfach nur klein. Und wenn wir außerdem noch dick werden, können wir uns gar nicht mit ihnen messen. Westliche Frauen haben weißere Haut, und wenn sie ein bisschen dicker werden, sagt man: Es geht noch. Aber wir sind kleiner, haben dunklere Haut und flachere Brüste. Es ist schwierig schön zu sein. (in: Niermann: 270)

Als wir über Schönheitsideale sprechen, erzählen mir Studentinnen geradezu empört von einem chinesischen Fotomodel, das international Furore macht, obwohl es äußerlich all ihren Schönheitsvorstellungen widerspricht. Sie bringen mir ein Foto mit: Eine Frau mit hohen Backenknochen, schmalen, schräg geschlitzten Augen, einer breiten Nase und einem großen, vollen Mund ist darauf zu sehen.

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Written by Martina_Boelck

Martina Bölck lebte von 2003 bis 2008 in Peking und unterrichtete dort chinesische Germanistikstudierende in deutscher Sprache und Literatur. 2010 erschien ihr Buch "Wie überall und nirgendwo sonst: Fünf Jahre China", aus dem dieser und die in Kürze folgenden Texte entnommen sind. Sie lebt und arbeitet heute als freie Dozentin und Autorin in Hamburg.

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2 Responses to "Chinesische Schönheitsideale"

  1. Also, dass diese Schönheitsideale in China immer noch so vorherrschend sind, hätte ich ja nicht gedacht. Dieser Stereotyp von Schönheitsbild erschien mir immer ein wenig veraltet. Große Augen, blass, schlank – alles eben frühere westliche Attribute. Aber anscheinend weichen diese “veralteten”, westlichen Schönheitsmerkmale zunehmend den “neuen”. Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass die meisten Chinesinnen ihr natürliches, für uns exotisch anmutendes Aussehen dermaßen ablehnen.
    Bin gespannt auf weitere Beiträge in dieser Richtung!

    Viele Grüße

    Hellen

  2. Tobey says:

    Die hässlichste Chinesische Frau ist immer noch schöner als die schönste Deutsche. Wenn man davon ausgeht, dass die “schönste Deutsche” irgendwas zwischen Heidi Klum und Eva Padberg ist.

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