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Randnotizen: pHrU3HL1N9$r0LL3 $7477 pHU3HrUN9$r0LL3
Es ist offenbar so, dass Ai Weiwei sein Redeverbot, wenn es denn eines gab, nicht sonderlich ernst nimmt. Hinter dem Weibo-Pseudonym Tiger Ai (艾虎子) verbirgt sich höchst wahrscheinlich der Meister der Provokation selbst. Sicher sein kann man sich natürlich nicht, aber es gibt schon einige deutliche Anzeichen. Die Anzahl seiner Follower, oder „Fans“ wie es bei Weibo heißt, steigt täglich um einige Hundert und steht derzeit bei 23.186 (Stand 29.10.2011). Nicht sonderlich viel, aber er hat ja auch erst am 26.09. wieder angefangen.
Auch ich bin sein Fan. Die Inhalte der Tweets sind allerdings oft ziemlich banal. Meist möchten seine Fans von ihm einige der Keramiksonnenblumenkerne geschenkt bekommen, die Teil seines letzten großen Projektes waren. Spannend finde ich, dass er in seinem ersten Tweet seinen Text mit dem LEET- bzw. 1337-Code verschlüsselt hat. Eben diesen Code habe ich gerade auf einem Vortrag des Humboldt-Kollegs erwähnt, um deutlich zu machen, dass automatisierte Zensurmaßnahmen im Internet relativ leicht umgangen werden können. Der erste Satz von Tiger Ai lautet:
“PL5 R37URN 7H15 1D 70 4WW 1F P0551BL5, 7H4NK U!”
Mit dem Online-Converter entschlüsselt ergibt das voll cool verschwörungsmäßig den folgenden Text:
“pls returN this id to aww if possibls, thaNk u!”
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Eigentlich wollte ich ja eine Rezension über das neue Buch “Angst vor China” von China-Kenner Frank Sieren schreiben. Ich habe mir das Buch als Kindle-Edition für meinen neuen eReader
gekauft. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass Papier tot ist und die Zeit der gedruckten Bücher fast noch schneller dem Ende entgegen geht, als die Sonderrolle des weißen Mannes in der Welt, so muss ich doch anmerken, dass der Preis von 16,99 Euro für ein paar Bits und Bytes nun wirklich ziemlich daneben ist. Es wird höchste Zeit für eine Kulturflatrate.
Der Preis ist aber nicht der Grund, warum ich keine Rezension schreibe. Und auch der Inhalt des Buches ist gar nicht mal schlecht, obwohl man beim Lesen manchmal den Eindruck hat, es handelt sich nicht um den neuesten „China für Teutonen“ von Frank Sieren, sondern um ein Werk von Frank Schätzing – so rasant ändern sich die Schauplätze des globalen Dramas, das hier aufgezeigt werden soll. Nein, lesenswert ist das Buch allemal. Der Grund für meine Verärgerung ist ein anderer.
Ich weiß, dass Frank Sieren von seinen Büchern leben muss. Und ich weiß auch, dass die Titelbildgestaltung in den Händen des Verlages liegt. Aber trotzdessen ist es doch erstaunlich, dass man beim Lesen sehr schnell den Eindruck bekommt, dass es eigentlich nicht „Angst vor China – Wie die neue Weltmacht unsere Krise nutzt“ heißen müsste, sondern „Keine Angst vor China“.
Der Grundtenor des Buches ist, dass wir Deutschen uns durch eine teilweise sehr irrationale China-Angst und Protesthaltung ins Abseits manövrieren und wir uns stattdessen an die Zusammenarbeit mit den Chinesen gewöhnen sollten. Ein Artikel, den Frank Sieren fast zeitgleich mit seinem Buch im Handelsblatt veröffentlicht, betitelte er daher auch mit „Angst vor China? Nein!“.
Warum heißt das Buch denn nun “Angst vor China”? Warum muss man es mit so einer platten Metaphorik wie dem erlegten Bundesadler im kommunistisch-roten Einkaufswagen bebildern? Es erschließt sich mir nicht, warum man denn titeltechnisch unbedingt da weitermachen muss, wo der Spiegel mit seinem unsäglichen „Weltkrieg um Wohlstand“ aufgehört hat. Ach ja, doch. China-Angst verkauft sich einfach gut.
Das wäre ja eigentlich gar nicht so schlimm. Nur dummerweise lesen sicher nur wenige Deutsche die ganzen 432 Seiten. Was in der Öffentlichkeit und beim Mann von der Straße hängen bleiben wird, ist Folgendes: „Die Chinesen wollen uns aufkaufen. Der Sieren sagt das auch. Und der muss das doch wissen, denn er ist schließlich China-Kenner von Beruf.“
Ich empfehle daher entweder das Buch zu kaufen und den Titel sofort mit Filzstift zu korrigieren. Oder aber man sieht sich einfach das folgende Video des englischen China-Kenners Martin Jacques an bzw. kauft dessen Buch When China Rules the World: The End of the Western World and the Birth of a New Global Order. Denn auch Jacques ist der Meinung, dass es eigentlich schon in Ordnung geht, wenn die chinesischen Staatsbürger die uneingeschränkte Führung der westlichen Industrienationen nicht länger hinnehmen wollen. Und er redet nicht um den heißen Brei herum.
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Nachtrag: Wenn ich das richtig deute, dann ist die lange Liste auf dem Weibo-Account, der Ai Weiwei zugeschrieben werden könnte, der Steuernachzahlungsbescheid der Firma Beijing Fake Cultural Development (北京发课文化发展有限公司). Ich bin nicht sicher, was die Zahlen genau bedeuten. Vielleicht hat ja jemand Lust, sich das mal genauer anzusehen (JR?). Reuters schreibt gerade von Forderungen in Höhe von insgesamt 15 Millionen Yuan.
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Filed under: China, Deutschland und China, Gesellschaft · Tags: Account, Ai Huzi, Ai Weiwei, Angst vor China, Frank Sieren, Martin Jacques, Mikroblog, Redeverbot, Weibo, Zensur


hier ein vollkommen nebensächlicher und kleinlicher KOmmentar von meiner Seite, der nicht publiziert werden muß, nur vielleicht mal schnell anschauen und evtl. im Text korrigieren:
“胡子” ist meiner Meinung nach nicht “Tiger”. Ich weiß nicht, wie das Pseudonym auf Chinesisch geschrieben ist; wenn es “艾胡子” lautet, dann heißt es “Ai (mit dem) Bart” oder “Wei der Bandit”. Wenn aber die Übersetzung “Ai der Tiger” richtig ist, dann müßte es meiner Meinung nach “虎子” geschrieben werden, beide Zeichen werden “hu zi” gesprochen, nur mit unterschiedlicher Betonung. “虎子” ist zudem aber nicht der “Tiger”, sondern das Tigerbaby.
Danke Doc! Ich hatte micht vertippt. Der Name des fraglichen Accounts ist 艾虎子. Ein Tiger. Wahrscheinlich aber einer mit Bart.
In der Sprache der Zukunft heißt “Chinakenner” nicht mehr “Chinakenner”, sondern kina känna ren.
Soviel zum Einkaufswagen:
Und zum Ende vergangenen Jahres hatten deutsche Unternehmen 17 Mal mehr in China investiert als umgekehrt. Auch für die gesamte EU betrug das Verhältnis fast zehn zu eins.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/china-europa-EFSF