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Randnotizen: Rote Umschläge und andere Wege, Meinungen zu beeinflussen

Dass Christian Y. Schmidt alles daran setzen würde, ein Chinese zu werden, war spätestens seit seinem vorvorletzten Buch klar. Dass er allerdings so weit gehen würde, seine journalistische Unabhängigkeit zu sinisieren, das ist ja ungeheuerlich! Schäm Dich, Herr Schmidt! Da lässt sich der Mann für schlappe 200 RMB seine eigene Meinung abkaufen und schreibt dann darüber auch noch frech eine ironische Kolumne. Als wüsste er nicht, wie wertvoll unsere deutsche Pressefreiheit ist. In diesem Zusammenhang sollte man daher erwähnen, dass die deutsch-chinesische Gemeinschaftsproduktion “I Phone You” sicher nicht zu den Klassikern der neueren Filmgeschichte gerechnet werden kann und auch Herr Schmidt ohne den roten Umschlag eventuell eine andere Meinung hätte. Bei Weibo wurde der Film auch als “Chick Movie” bezeichnet.

Hier ein Mittschnitt von den Dreharbeiten zu “I Phone You” aud tudou.com:

Und hier dann noch der offizielle Trailer:

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Über rote Umschläge und andere Widrigkeiten, die das chinesischen Rechtssystem prägen, spricht der chinesische Rechtsprofessor Chang Wang in einem Interview mit der NZZ. Der Rechtsexperte, der teils als Gastdozent an der Universität Luzern unterrichtet, klärt seine Studenten über die unterschiedlichen Rechtstraditionen auf und weist unter anderem darauf hin, dass in China eine Rechtsstaatlichkeit, wie wir sie im Westen kennen, schlicht und einfach nicht existiert. Laut Professor Wang ist der freie Zugang zur Information im chinesischen System ein Privileg und kein Recht.

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Auch die Redaktion des Deutschlandradios hat inzwischen die Bedeutung der chinesichen Mikroblogs für die öffentliche Meinungsbildung erkannt.

 
Quelle: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/05/drk_20111005_1807_f47891e4.mp3*

Warum allerdings die Regulationsbestrebungen der chinesischen Regierung in Bezug auf die unkontrollierte Verbreitung von Gerüchten, die offensichtlich nicht der Wahrheit entsprechen, als “Repressionen des Regimes” aufgefasst werden, leuchtet mir nicht ganz ein. Die tun ja gerade so, als wenn nicht auch David Cameron, Silvio Berlusconi und Volker Kauder die Möglichkeiten der Entfernung von “ungesunden Informationen” diskutieren, ohne auch nur die geringste Vorstellung zu entwickeln, wie das denn überhaupt umsetzbar sein soll, wenn man sich nicht grundlegendere Gedanken über die derzeitige Architektur des Internets macht (darüber an dieser Stelle demnächst mehr).

Ja. Es ist auf beiden Seiten der großen Mauer kaum ein Unterschied festzustellen. “Sie reden von Internet wie Blinde vom Licht.” Da ist es dann auch wirklich kein Wunder, dass die Piraten, mit einem Parteiprogramm vom Planeten Utopia sich inzwischen Gedanken über eine Regierungsbeteiligung machen. Wenn bei einem so wichtigen Thema wie der Netzpolitik die etablierten Politiker außer Unwissen und Angst vor Kontrollverlust nichts zu bieten haben, was bleibt dann anderes als Captain Hook und seine Jungs?

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Artikel-Foto: Paul / FreeDigitalPhotos.net
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Written by Sven Haenke

Sven Hänke war fünf Jahre DAAD-Lektor an der University of International Business and Economics (UIBE) in Beijing. Derzeit forscht er an der Humboldt Universität zu Berlin zum Thema Zeit-Metaphorik im Deutschen und Chinesischen. Seine Texte hier auf Doppelpod sind unter Creative-Commons 3.0 lizensiert. Sie sind geistiges Gemeingut – virtuelles Weltkulturerbe sozusagen. Sie können sie ausdrucken, weiterleiten, tweeten, verschenken, auf File-Sharing-Plattformen mit ihren Freunden teilen, in Foren posten, auf Ostereier drucken, ein Libretto daraus machen, ins Molwanische übersetzen, oder was Ihnen sonst noch einfällt. Nur Geld verdienen dürfen Sie damit nicht.

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2 Responses to "Randnotizen: Rote Umschläge und andere Wege, Meinungen zu beeinflussen"

  1. Dieter Dorstig und seine Oma says:

    中德合作有更多的潜力!

  2. Petenlustig says:

    Schicke Mädels!

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